Die Zukunft Europas hängt auch von uns ab

Das europäische Projekt ist gefährdet. Antieuropäische Kräfte haben bei ihrem Kampf bereits erste Etappensiege erzielt. Auch und gerade wir Vertreter der Wirtschaft sind gefordert, mehr Engagement für den europäischen Einigungsprozess zu zeigen. Im Vorfeld der kommenden Europawahl am 26. Mai haben wir dazu die Gelegenheit.

Ich weiß, dass viele unserer Mitgliedsverbände bereits Aktionen planen. Das ist gut so und genau hieran möchte ich anknüpfen, wenn ich die gesamte deutsche Wirtschaft dazu aufrufe, zur Europawahl klar Flagge zu zeigen. Wir dürfen Europa nicht allein den Parteien überlassen, die viel zu oft den Zerrbildern der Demagogen hinterherlaufen, statt positiv die europäische Idee weiterzuentwickeln.

Was steht auf dem Spiel? Es besteht die reale Gefahr, dass die Europagegner von links und rechts künftig kombiniert zur großen Verhinderungskraft im Europäischen Parlament werden. Mit Blick auf aktuelle Umfragen ist es gut möglich, dass der Wahltag der Beginn einer langen Hängepartie für die Europäische Union ist.

Eine neuerliche Vertrauenskrise kann sich Europa aber nicht erlauben. Neben den dramatischen Folgen eines wie auch immer gearteten Brexits würde das eine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft bedeuten.

Dass die Lage ernst ist, hält uns nicht davon ab, mit Optimismus für Europa zu werben. Zehntausende deutsche Unternehmen und Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren tagtäglich von Europa. 2018 exportierten deutsche Unternehmen Waren im Gesamtwert von fast 780 Milliarden Euro in die anderen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Das entspricht fast 60 Prozent des Gesamtexportes der Bundesrepublik.

Doch das allerwichtigste ist: In der EU genießen wir seit über sieben Jahrzehnten ununterbrochen Frieden und Freiheit. Ohne den europäischen Integrationsprozess wäre diese Friedensperiode undenkbar. Wir sollten das wieder mehr wertschätzen, ist es doch die Basis für unser aller Leben und Arbeiten über Grenzen hinweg. Der kriegerische Konflikt in der Ukraine zeigt uns eindringlich, dass Frieden in Europa eben nicht selbstverständlich ist.

Gemeinsam möchte ich mich mit Ihnen für Europa einsetzen – und dafür müssen wir jetzt die letzten Weichen stellen. Wir sollten unsere Möglichkeiten nutzen, um für die europäische Idee zu werben – in den Betrieben, in den Verbänden, gemeinsam mit den Sozialpartnern, bei allen uns zur Verfügung stehenden Gelegenheiten.

Ingo Kramer
Arbeitgeberpräsident

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