Aktiv für das europäische Projekt

Hans-Peter Langer, Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes Glas und Solar e.V.

Europa ist nicht selbstverständlich. Das gilt heute, da Europa wie selten zuvor von nationalistischen und populistischen Kräften bedroht wird, umso mehr.

Mit Blick auf die anstehenden Europawahlen am 26. Mai 2019 ist deshalb jeder Einzelne gefragt, aktiv für die europäische Idee einzustehen: Gehen Sie zur Wahl und machen Sie sich bei Ihren Kollegen, Freunden und Verwandten für das europäische Projekt stark.

Über einige Aspekte der Europäischen Union lässt sich hervorragend streiten und diskutieren. Und an schlechter Presse mangelt es der EU bestimmt nicht. Begonnen beim Bürokratiemonster, als das die Brüsseler Regulierung häufig bei Bürgern und Unternehmen erscheint, bis hin zu den komplexen politischen Verfahren der EU. Hier kann und muss sich Europa verbessern und weiterentwickeln, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Aber ebenso klar ist, dass die europäische Idee den Menschen in Europa Frieden, Wohlstand und Freiheit gebracht haben. Aus der einstigen Wirtschaftsgemeinschaft ist eine starke politische Union gewachsen, so erfolgreich, dass die vielen Errungenschaften oft als selbstverständlich erscheinen.

Auf unserem Kontinent hat noch nie zuvor so lange Frieden geherrscht. Ehemals konkurrierende Nationalstaaten sind wirtschaftlich und sozial zusammengewachsen, sodass sie sich heute als Partner den globalen Herausforderungen unserer Zeit stellen.

Der Binnenmarkt mit seiner Wirtschafts- und Währungsunion hat den Wohlstand Europas immens gesteigert. Heute ist Europa einer der größten Wirtschaftsräume der Welt, mit den gleichzeitig besten Sozialstandards – das erfolgreichste Beispiel sozialer Marktwirtschaft. Wie wichtig dieser Binnenmarkt für Deutschland ist, zeigt sich daran, dass fast 60 Prozent der deutschen Exporte in andere EU-Länder gingen. Und auch der Euro ist, trotz Krisen, seit seiner Einführung zur zweitwichtigsten Währung der Welt geworden.

Der Schengenraum ermöglicht es heute jedem Einzelnen, die eigene Freiheit über Ländergrenzen hinweg zu entfalten. So können wir visafrei von Finnland bis Portugal reisen oder in allen EU-Mitgliedsstaaten leben und arbeiten – noch zu Zeiten des „Kalten Krieges“ undenkbar.

Die EU zu zerreden und die Probleme in den Mittelpunkt zu stellen ist, wie so oft, immer einfacher als sie zu erklären. Deshalb müssen wir als Gesellschaft gemeinsam für Europa werben und für die europäischen, unsere Werte einstehen. Das ist nicht allein die Aufgabe der Politik und der Parteien im Wahlkampf. Wir dürfen das Feld nicht den Antieuropäern überlassen. Denn wer meint, wir könnten als Nationalstaaten ebenso erfolgreich für unsere Werte und Interessen in der Welt einstehen, irrt gewaltig.

Deshalb appelliere ich an Sie: Werben Sie für die Europawahl, werben Sie für das europäische Projekt. Die Errungenschaften der Europäischen Union sind nicht selbstverständlich, sie müssen von den Bürgerinnen und Bürgern getragen und legitimiert werden – Sie müssen gewählt werden.

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